Texte für die Bühne – oder: The Magic of Feedback

In den letzten Wochen durfte ich sehr besondere Veranstaltungen mit meinen Texten erleben. Ein wahrhaftes Glück war die Buchvorstellung von „Der Frau“ im traumhaft schönen Neuen Salon der Brotfabrik Berlin. Endlich wieder ein analoges Event mit direktem Austausch, ohne Filter, Finger und Aufmerksamkeitsdefizite. Dazu eine Lesung, bei der es im anschließenden Publikumsgespräch mit keinem Wort um Geschmäcker oder Berufungen ging. Sehr angetane Zuhörer:innen gaben mir wertvolles Feedback zur Bühnenwirksamkeit, zur Wucht, zur Brisanz, zur (Gattungs-)Freiheit meiner Texte bis hin zu deren dadaistischen Zügen. Das Publikum regte mich außerdem zu einem Hörbuch bzw. mehr Tonaufnahmen meiner Texte an, um sie auf meine Vortragsweise hören zu können, gab mir in dem Kontext auch sehr positive Rückmeldung zu den bereits produzierten Textproben für „Der Frau“ in Form von Kurzvideos, die im Vorfeld der Veröffentlichung entstanden. Es war ein so inspirierender Abend, dass ich im Anschluss ausnahmsweise geradezu dankbar über den langen Weg von Weißensee nach Kreuzberg war, um der Resonanz Denkraum zu geben.

Noch erfüllt von den Projektideen und Textideen im Zuge dieser Buchvorstellung fuhr ich dann nach Freiburg, um mir die Aufführung von SACRE anzusehen, eine interdisziplinäre Tanz-Theaterproduktion des Aktionstheater PAN.OPTIKUM in Kooperation mit der Hochschule für Musik Freiburg: Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ (als „Part 2“) erweitert durch eine vorausgehende von Text geprägten Tanzperformance (als „Part 1“) und einem anschließenden Epilog – alles zum Thema: Opfer / Was sind wir heute bereit zu opfern? Wie lassen wir uns heute manipulieren, werden selbst zu Opfern? Wie wirken die Sozialen Netzwerke diesbezüglich auf uns? Den Textauftrag hatte ich bereits Ende 2019 erhalten, damals erste Textideen umgesetzt, die um das Thema Klimawandel kreisten. Die Produktion musste dann aber coronabedingt verschoben werden. Die Pandemie veränderte auch den thematischen Fokus vom Klima hin zum digitalen Space. Basierend auf Betrachtungen des Philosophen Byung-Chul Han schrieb ich Ende 2021/Anfang 2022 weitere Teile einer Textcollage (wie ich das gerne bezeichne), die von einem Ensemble internationaler Tänzer:innen unter der künstlerischen Leitung von Sigrun Fritsch und ihrer Tochter Luka Fritsch inszeniert bzw. choreographiert / szenisch gestaltet wurde. Eine merkwürdige und gleichzeitig auch vertraute Erfahrung, eigenen Text „verkörpert“ zu erleben – nicht nur gesprochen oder aus dem OFF, sondern auch als Motivation für Bewegung und gesungen! So gelungen alles, stimmig, ich war beeindruckt. Hinzu kam diese Begeisterung für meine Texte, die mir u.a. als „direkt und offen zugleich“ beschrieben wurden, als Texte die auf der Bühne einfach „funktionieren“. Dieses Feedback, dieser Konsens beider Events arbeitet immer noch in mir.

Klar, ursprünglich komme ich aus der darstellenden Kunst. Und doch schreibe ich nicht absichtlich für die Bühne. Dem Spoken-Word war ich auch immer nahe, bin damit auch selbst aufgetreten – offenbar ist das einfach in mir, einfach meins, mein Tonfall, dieses assoziative Wortläuten, die Sprachrhythmen, die Sprachmelodien. Dieses bilddurchtränkte Schreiben, das sich organisch mit der Arbeit als Textkünstlerin mixt und ein ganz eigenes Schrift stellen, zerlegen, hegen, Sprache brechen und neu buchstabieren hervorbringt. Ein AHA-Moment mit runden 40 – tja, „der Weg kurvt immer ins / komm“.

Danke für diese Augen öffnenden Live-Acts und Begegnungen! Das ermutigt mich, mir meine Sprache mehr und mehr zu erlauben.