Vom Miteinander – 13 Texte und ihre Stories

Der dritte Erzählband ist da! In drei Jahren 700 Seiten Erzählungen/längere und kürzere Prosa veröffentlicht – ja, doch, das klingt gut. Zum Erscheinen des aktuellen Bands habe ich das Bedürfnis, ein wenig über die Texte zu plaudern. Natürlich können sie am besten selbst sprechen. Aber ich will sie ja auch nicht nacherzählen oder erklären, sondern ein bisschen von ihrem Entstehen berichten, von Hintergründigem (hierbei halte ich mich an die Reihenfolge im Buch) – ALSO:

 

 

1- Zum Jahreswechsel

entstand kurz nach selbigem. Ende Dezember 2018/Anfang Januar 2019 war ich in Südafrika unterwegs. Zurück in Berlin saß ich zum Frühstückskäffchen in einem meiner Lieblingscafés, sah hinaus in den Tag – und hatte genau die Wahrnehmung der Umgebung, die ich im Text beschreibe. Interessanterweise knüpft die Geschichte unmittelbar an den letzten Erzählband Vom Dazwischen an, und zwar an den Text Die Frau in der Wand – weshalb ich sie ganz nach vorne sortiert habe.

 

2- Transposition

Der (vermeintliche) Kontakt mit der Vergangenheit mittels sozialer Netzwerke beschäftigt mich. In den meisten Fällen halte ich ihn für seltsames Beatmen veralteter Vorstellungen (zumeist) über Personen. Manchmal wird so aber auch die Möglichkeit eines neuen Kennenlernens und eines Begreifens von Vergangenheit geschaffen, das in der verwesten Gegenwart von anno soundso nicht gegeben war. Das finde ich ebenfalls spannend. Auch weil sich dadurch festgefahrene Vorstellungen von Zeit (in unserer Kultur) verändern (können).

3- Polyphones Kopfhören

Mit 18/19 Jahren habe ich mal einen sinfonischen Roman geschrieben – alle Kapitel waren nach unterschiedlichen Musikstücken/-Formen der klassischen Musik betitelt, je nach Inhalt (z.B. gab es ein Präludium, eine Fuge, eine Sonate etc.) Im neuen Erzählband hatte ich Lust das aufzugreifen. Polyphones Kopfhören ist darüber hinaus ein Text, in den ich (verspieltes Frauenzimmer) Minnegesänge bzw. deren Persiflage eingeflochten habe.

4- Stück Welt

Diese vierstimmige Textcollage entstand eigentlich schon 2015. Zumindest deren erste Fassung. Die fiel mir zufällig wieder in die Hände und eine finale Fassung war plötzlich reif. Es geht um Heimat, hauptsächlich.

5- Anni analog

Vernetzung. Nabelverkabelung. Mir auch abseits des Hater thematisches Anliegen. Was macht diese, unsere Zeit mit uns – was wir mit ihr?

 

6- Alle gleich (ein Gedankenspiel in es-Moll)

Ich schreibe ja immer wieder auch gerne plotlos. Lasse mich aus über Begriffe. Versuche assoziatives Begreifen. Text kann handlungsfrei ganz eigene Dynamiken entfalten. Hier ein bisschen Origami.

7- Hater III

Aller guten Dinge sind. Und darum wird jetzt auch alles gut. Happy Ends sind ja eigentlich tabu und nur in der groschigen Unterhaltungslektüre gestattet. Ich sehe das nicht ein. Wenn etwas gut wird (oder besser oder zumindest etwas besser oder auch nur vorübergehend gut) ist das noch lange kein Kitsch.

8- Pferde stehlen

Noch ein älterer Text – sogar ein richtig alter. Entstanden Ende 2002/Anfang 2003. Da war ich 21. Und verbrachte einige Monate in Dublin. Flog auch aus nach Belfast. Wo ich eine Ahnung davon zu bekommen meinte, was Krieg heißt. Darüber musste ich schreiben. Auch über andere Erlebnisse, Einsichten. – Nach meiner Zeit in Irland bewarb ich mich übrigens am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Und wurde abgelehnt. Aber es klappte auf dem Pfad des Theaters. Letztlich landet man sowieso immer in seinem Rom, eh klar.

9- Neumann

Während meiner kunsthistorischen Forschungszeit im Rahmen des Studiums/der Arbeit an der Uni verbrachte ich viel Zeit in Archiven: Archiv der Akademie der Künste, Landesarchiv, Bundesarchiv. Kein Wunder, dass hernach auch mal eine Story in Archiv-Setting entsteht.

10- Helene und Dirk

Nur so viel: Der Sturm im Sommerhaus ist ein reales Erlebnis, der Rest Fiktion.

11- Speed-Hiking

Ich bin ländlich (wenn auch an den Ausläufern einer Stadt) aufgewachsen. Wenn ich dort heute meine Eltern besuche, irritieren mich immer wieder diverse sportliche Aktivitäten vor Ort. Menschen in futuristisch anmutenden, grell neonfarbenen Anzügen samt Hightech-Stöcken/Rädern/Segways (ja, tatsächlich!) verausgaben sich im gefühlten Nirgendwo bzw. im naturellen Idyll, als befänden sie sich in Wettkampfszenario & live auf Sendung. – Das zwang mich förmlich dazu aus Clownsperspektive (ich liebe den naiven Blick sich dumm stellender Charaktere) eine kleine Belustigung zu Papier zu bringen.

12- Die Beregnungsgemeinschaft

Ein Dorf. Und damit ein zweiter Dorf-Text. Der längentechnisch viel Raum einnimmt. Verdient, gewollt, weil Thema: KLIMAWANDEL. (Dieses Wort muss man auch im Schriftbild geradezu schreien.) Das Ganze stilistisch zur Abwechselung ziemlich erzählerisch. Aber nur ziemlich. Aber: Lest selbst.

13- I <3 (Sprechtext zum laut Lesen)

Es war einmal ein Theaterabend. Da die Autorin Selbstbezichtigung von Peter Handke hörte, auch sah. Besonders das Hören gestaltete sich sehr intensiv. Der Sprachrhythmus wurmte après so die Ohren, dass ein Text in ähnlichem Tonfall erwuchs. Ohne nachäffen zu wollen. Aus Lust am Probieren. Es mischt sich ja auch genug Eigenes ein. Ein Text, der ganz ein wenig auch als Mini-Hommage gelten könnte. Wobei, nein, sowas ist peinlich, sowas tut man nicht. Jedenfalls: ein Text fürs Lieben. Der zum laut Lesen bestimmt ist. So wirkt er erst wirklich.

Ich freue mich auf eure Eindrücke, Meinungen, Lesarten, euer Feedback generell. Ihr habt Interesse an einem Rezensionsexemplar? Da gibt`s noch ein paar, schreibt einfach eine Nachricht an: info@victoriahohmann.de

An sich und ansonsten: Viel Freude beim Lesen!

Und: Bleibt bookish.

 

 

 

#readme – Lesung & Ausstellung mit Gästen

Nach den vielfältigen Erfahrungen mit/bei Lesungen im letzten Jahr überkam mich die Lust, selbst eine Lesung mit Gästen zu initiieren. Und zwar am liebsten in einem Kunstraum – schließlich arbeite ich schon immer interdisziplinär. So stand für mich auch sofort fest, wenn ich unbedingt als Gastautor einladen wollte: Autor & Verleger Jürgen Volk mit seinem Roman Unbedingt“ über Van Gogh und Gauguin im gelben Haus. Eine achtwöchige Wohngemeinschaft, die bis heute die Kunstgeschichte in Atem hält und mit einem abgeschnittenen Ohr endete. Der Roman erlebt momentan als Taschenbuch im Bernstein Verlag seine 2.Auflage, als E-Book bei Edel Elements. Jürgen Volk selbst ist Mitgründer des Verlags duotincta, dessen Programm ich sehr schätze und mit dem ich als Verlegerin darum außerordentlich gerne kooperiere. So ergab sich auch organisch die Einladung des zweiten Gastautors: Daniel Breuer. 2017 erschien sein Romandebüt „nathanroad.rec“ bei duotincta, das ich mit großer Begeisterung gelesen hatte und von dem ich überzeugt bin, das es das Potential hat, Literaturgeschichte zu schreiben.

     

     

Natürlich wollte ich auch selbst mitlesen – und entschied mich für eine Manuskrpitlesung: Einen kürzeren Text aus meinem neuen Erzählband „Vom Miteinander“. (In den nächsten Wochen werde ich übrigens alle Texte des neuen Buchs hier auf dem Blog kurz vorstellen.)

Als Raum bot sich der Artspace „im_raum“ der Fotografin Anke Jungbluth an – er befindet sich im Souterrain des Hauses, in dem sowohl moi wie auch der VHV-Verlag ansässig sind. Anke war sofort angetan von der Idee – und naheliegend, die Ausstellung in gleicher Formation wie schon einmal vor einem Jahr anzugehen mit Lisa Büscher (Skulptur/Installation) und mir (text-based Art) zur Vervollständigung der künstlerischen Disziplinen.

      

Der Abend war sehr gut besucht, das Format stieß auf großes Interesse – zwar erst einmal hauptsächlich im Freundes-Bekanntenkreis und in der Nachbarschaft (DANKE allen, die da waren!) – aber so ist das ja in der Regel, bei künstlerischen Projekten. Auch das Feedback war mehr als ermutigend. Es hat allen so gut gefallen, dass ein #2 unausweichlich ist. Wogegen ich natürlich nicht einzuwenden habe. Also: Wenn euch demnächst ein #readme 2 begegnet – Termin notieren und vorbeischauen! Ihr werdet es lieben.

(Lesungen v.o.n.u.: Daniel Breuer, „Grand Mal“; Jürgen Volk, „Unbedingt“; Victoria Hohmann, „Vom Miteinander“.

Fotos: Geneviève Debien, Andreas Vierheller, Victoria Hohmann).

 

Meine Leipziger Buchmesse 2019

Die Leipziger Buchmesse war, rückblickend, tatsächlich ziemlich chillig. Ich merke, dass sich doch eine gewisse Routine eingestellt hat – nicht nur in Bezug auf Lesungen, sondern auch was Messealltag betrifft. Wirklich aufregend fand ich daher nur zwei Situationen: den Standaufbau (OMG, ob alles funktioniert wie geplant und letztendlich überhaupt gut aussieht…!) und meinen ersten Mini-Auftritt als Verlegerin bei der Lesung meiner Autor*innen (Kerstin Meixner und Holger Heiland). Es glückte jedoch alles. Und nun bin ich wieder um Erfahrungen reicher. Und entspannter, was Zukünftiges anbelangt. Es ist schon erstaunlich, wie man so Schritt für Schritt vorwärts geht (um ein Bild des linearen Denkens zu verwenden), gelegentlich innehält, zurückschaut und: WOW. Diese ganzen Serpentinen. Diese ätzenden Sanddünen. Diese verdammte Route 666. Auch dieses scheiß 1-2-3. Aber. YES.

In der Rolle der Verlegerin, Leipziger Buchmesse, 21.03.2019, 

Foto: Andreas Vierheller

Wesentlich waren natürlich die Begegnungen & Gespräche auf der LBM. Lesungen konnte ich leider nur sehr begrenzt wahrnehmen, schade. Das will ich in kommenden Jahren ändern. Besonders gefreut habe ich mich über die Besuche von Leser*innen und Buchblogger*innen am Stand. Mit manchen besteht seit meinem ersten Erzählband „Von Verwandlungen“ Kontakt. Und der wird immer freundschaftlicher. Man tauscht sich neben Literatur auch über die Lebenswege aus. Einfach schön! <3 Ein Highlight war dann das Treffen mit einer Freundin aus Schulzeiten, die Ende der 90er Ensemblemitglied meiner damaligen Theatergruppe war – wir hatten uns völlig aus den Augen verloren und nun war sie zufällig auch auf der Buchmesse, als Moderatorin  – und ihr Freund als erfolgreich aufstrebender Jungautor eines anderen unabhängigen Verlags. Wie das Leben so spielt…! I love it.

Ein weiteres Highlight war der Indie-Abend im Beyerhaus, initiiert vom Verlag duotincta. Ich bin den Kolleg*innen sehr dankbar, nicht nur für die Orga, sondern auch für das so ermöglichte Learning by Doing, was einfach mein Ding ist. Darüber hinaus macht es mir auch immer extra Spaß, selbst zu lesen – Schauspiel war ja nie so richtig meins, da keine Rampensau, aber ab und an auf einem Bühnchen etwas vortragen und zwar eher lesend, denn darstellend…! Und danach mit Büchermenschen ein Bierchen trinken und andere Literaturschaffende kennenlernen – mit Vergnügen! 🙂

Indie-Abend, Beyerhaus Leipzig, im Rahmen von „Leipzig liest“, 21.03.2019, 

Foto: Andreas Vierheller

Fazit: Die Leipziger Buchmesse möge bitte schön eine Konstante in meinem Leben werden – im Autorinnen- wie im Verlegerinnenleben gleichermaßen. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr (so phrasenhaft das auch klingen mag). Und bin gespannt, wo VHV und VH in 5 Jahren sein werden. Mal schauen, was das Leben für Karten auf den Tisch klatscht.

Nach der Eröffnung, Gewandhaus Leipzig, 20.03.2019, 

Foto: Andreas Vierheller