Mein erster offizieller Roman erscheint am 22.April im Literaturverlag Schruf & Stipetic. „Lautgemalte Nacht“, der Titel, ein Zitat aus dem Buch. Ich bin sehr glücklich mit Dagmar Schruf & Blanka Stipetic zwei so tolle, engagierte, erfahrene Verlegerinnen zu haben.
Was ist das für ein Text?
Es ist ein Text über Vergänglichkeit, Vergessen, Erinnern, Sterben. Aber vielleicht doch mehr über das Leben. Über die Demenzerkrankung einer Frau Mitte 60. Über Eine Mutter-Tochter Beziehung. Über Pflege, Alter, Familie. Über Loslassen und Weitermachen. Und zwar täglich, nicht nach dem großen Knall. Der Text orientiert sich an den Erfahrungen mit der Demenzerkrankung meiner Mutter, ist aber nicht mit der Realität zu verwechseln. Er ist eine eigene Dichtung. Genauso wie ich nicht mit der Ich-Erzählerin identisch bin, auch wenn natürlich vieles eingeflossen ist.
Und so fängt er an:
Verschwinden im Vergessen. Wie nie gewesen sein.
Wenn wir gegangen sein werden.
Kontur nur. Spur, deren Ahnung.
Wer ging dort. Verfing sich dort seiner Zeit.
In die Verwandlung greifen, das Pulsieren der Jahre…
Das ist der Tonfall. Oder der Einstiegssound. Der sich in den einzelnen Kapiteln verändert. Es ist trotz aller Bedrohung durch den Tod kein finsteres Buch. Die (teils auch grotesken) Situationen, die das Leben schreibt bzw. die ich schreiben wollte, durchbrechen das, drehen am Tonfall, die lyrischen Passagen tragen auf ihre Weise (bei).
Schon lange war es mir ein Anliegen über Alzheimer zu schreiben. Meine Erfahrungen mit der Krankheit zu teilen und den Blick auf Erkrankte, den Umgang mit ihnen zu verändern. Jegliche Personen sind dabei nicht identisch mit realen Personen. Mein Vater hat es nach dem Lesen des Manuskripts folgendermaßen formuliert: „Vieles kommt mir bekannt vor, aber ich erkenne mich da nicht wieder.“ Genau so soll es sein. Meine Mutter würde hoffentlich dasselbe sagen. Allein, da sie einen anderen Beruf ausgeübt hat als die Frau im Buch.



Der Stil des Buchs ist ein Bericht, aus Perspektive der Tochter geschrieben. Diese Tochter hat wiederum eine kleine Tochter, wie ich, ist trotzdem nicht mit mir zu verwechseln. Das Kapitel über die Drei ist komplett fiktiv, bis auf die Merkmale der Krankheitsphase. Die Konstellation der drei Frauengenerationen passte einfach gut ins Narrativ. So viel vielleicht zum roten Tuch Autofiktion.
Oder, vielleicht doch nochmal zurück zum Thema: Etwas eindeutig autobiographisch Motiviertes, (auch) die eigene Familie Betreffendes literarisch zu thematisieren, bedarf eines verantwortlichen Schreibens. Was darf preisgegeben werden? Wie kann ich aufrichtig und gleichzeitig verfremdet von einer Krankheit erzählen? Wie kann ich persönliche Erfahrungen mit dem Kollektiv teilen? Mit solchen Fragen habe ich mich beschäftigt. Ich denke, das merkt man. Das Buch ist mit sehr viel Liebe geschrieben.
Während des Schreibprozesses habe ich das Interview mit Joachim Meyerhoff „Das Spiel des Lebens“ bei Sternstunden der Philosophie, SRF Kultur geschaut, eher nebenbei, da ich das Format regelmäßig schaue (und sehr empfehle!). Ich fand es extrem spannend, dass Meyerhoff meint, man kann die Realität gar nicht aufschreiben, da sie sich beim Schreiben verändert. Genau diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Selbst als ich zu Beginn etwas Erlebtes aufschreiben wollte, veränderte es sich beim Schreiben, wurde zu etwas anderem. Da ist der Blick, der sich wie unwillkürlich auf Details richtet, die plötzlich übernehmen, formen, Personen zeichnen, unerwartete Handlungen/Zusammenhänge/Verbindungen etc. motivieren. Vor allem ist, zumindest für mich, da die Sprache. Sie schreibt letztendlich den Text, bestimmt ihn, damit alle(s).
In den Kapiteln arbeite ich mit unterschiedlichen sprachlichen Mitteln. Jeder Text geht für mich von der Sprache aus. Sprache ist beim Schreiben für mich immer die Basis, nicht Handlung. Das Buch ist damit auch eine sprachliche Annäherung an eine Krankheit. Auch eine Form des Echos.
Einen ersten Versuch über Demenz zu schreiben, habe ich 2024 für das Kunst- und Literaturmagazin KRANK unternommen. Ein kleines Fragment aus dem damaligen Text findet sich auch im Roman.
Wichtig ist für mich außerdem deutlich zu sagen: Schreiben ist für mich immer literarisch, nie therapeutisch. Genauso wie Kunst für mich nie therapeutisch ist. Mit Kunsttherapie und Schreibtherapie habe ich nichts zu tun. Das ist nicht mein Arbeitsfeld. Schreiben ist für mich ein Handwerk. Kunst, frei nach Émile Zola, eine Interpretation von Wirklichkeit durch das eigene Temperament.
Auf dieser Ebene ist das Beschreiben einer Krankheit auch eine persönliche Interpretation. Die hier wesentlich auf der Komposition ruht. Usw. usw. Vor allem:
Ich freue mich über Leser:innen und Feedback.
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Kaufen könnt ihr das Buch überall im Buchhandel. Natürlich bitte besonders den unabhängigen Buchhandel unterstützen. Danke.
ISBN: 9783944359854
Taschenbuch, kartoniert, 188 Seiten
Erscheinungstermin: 22.April
