Spielplatz. Mein neues Langgedicht erscheint im Frühjahr 2027 bei Offbeat-Publishing. Gedanken zu Text & Form

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Spielplätze. Keine Ahnung, wie viel Zeit ich da in den letzten Jahren verbracht habe. Als Schulkind verliert meine Tochter allmählich das Interesse daran. Spielplätze, für mich oft Orte der Langeweile. Zeit absitzen. Unfreiwilliges Beobachten. Manchmal in netter Runde. Immer als Aufpasserin. Kein Lesen möglich, kein Abschalten. Ständige Bereitschaft. Das Aufsaugen dieser Atmosphäre. Auch fasziniert davon. Dieses kreative Chaos, permanent in Bewegung. Dazu die gewachsenen Routinen vor Ort. Irgendwann war ich voll und es musste raus.

Über zwei Jahre ist ein Text entstanden, der selbst ein Spielplatz ist. Schaukelnde, rutschende Buchstaben in der Tradition visueller/konkreter Poesie, sprachlich mal experimenteller, mal mehr Prosagedicht, narrativ, dann wieder anarchisch, assoziativ, mit vielen Rhythmuswechseln je nach Blickrichtung, Spielgerät, Situation. Auch um den Spielplatz Welt geht es. Dessen Regeln mit jedem Kind verhandelt werden. Und ich als großes Kind habe es genossen zu spielen. Das Spielerische tut hoffentlich auch beim Lesen gut. Spielplatz ist wahrscheinlich insbesondere ein Text/Langgedicht für Eltern. Es wird viel Kaffee getrunken. Es geht immer wieder um die unendlichen Noch fünf Minuten. Freie Verse toben durch die Gegend. Stoßen sich von Zeile zu Zeile, arbeiten dann wieder im Team. Die Spielregeln des Langgedichts? Vielleicht nur die, keine Langeweile aufkommen zu lassen. Wer z.B. Chris Bezzel mag, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch diesen Text mögen.

Was es nicht ist: Ein verknoteter platt sprachspielerischer Text.

Ja, es ist ein nischiger Text. Und doch ein zugänglicher Text. Schon darum, weil er ein Spielplatz ist. Da kann man auch beim Lesen einfach mal ausprobieren.

Spielplätze sind öffentliche Räume. Irgendwo braucht es Platz zum Spielen. Frei von bereits festgelegten Textvorstellungen und Lesegewohnheiten. Einfach mal spielerisch los lesen.

Das Langgedicht erscheint im Frühjahr im einzigen auf Langgedichte spezialisierten Verlag ;):) im deutschsprachigen Raum: Offbeat-Publishing. Unbedingt auf die Merkliste setzen. Oder gerne bereits vorbestellen. Das Cover ist spontan Sonntagabend nach einer Skizze von mir entstanden. Mal wieder gemeinsam mit dem Mann und Mediendesigner an meiner Seite: Andreas Vierheller.

Warum schon wieder ein Langgedicht? Warum diese Form? Was macht sie für mich aus?

Also bei Spielplatz ist mir wichtig: Das Fragmentarische der Sprache. Gedankensprünge im Bewusstseinsstrom, im Scroll-Rhythmus. Wobei, ja, das ist eine Frage, die ich mir stelle: Ist das Langgedicht für mich so zeitgemäß, weil es mediale Rhythmen-Prägungen und den eigenen Sprach-Rhythmus/Flow so gut mischen und wiedergeben kann?

Die Alltagssprache mittels spielerischer Sprache aushebeln. Auch ein Anliegen. Abstraktion. Abstand und Eintauchen durch Verdichtung. Das Denken durchrütteln. Die Gewohnheiten. Das Funktionale. 

Sich ganz Mensch (und null KI) auf den Sprachspielplatz begeben.

Eigenschaften allgemein der Langgedicht-Form, die ich gefunden habe/praktiziere: Fragmentiertes, verdichtetes Narrativ. Momentaufnahmen von Handlungen. Zoomen im Bewusstseinsstrom. Ja, doch, ein bisschen Klick & Scroll-Rhythmus. Auch ein Mischen verschiedener Verfahren der Poesie. Wesentlich: Vielstimmigkeit. Alle Langgedichte sind auch Sprechtexte. Spielplatz vielleicht am wenigsten. Hier mehr Tollen des Texts, optische Bewegung rhythmisiert teils stark den Blick.

Das Langgedicht setzt auch der Verflachung der Sprache etwas entgegen. Es sagt viel in kürzester Zeit. Verse wie Posts. Verflochten in ein weites Synapsennetz (ein eigenes All umspannend). Vielleicht ist die poetische Form des Langgedichts ein Mittel oder Vehikel, um durch Surfaces (wieder) zum Core zu gelangen. Im vielstimmigen Dialog der Sprache (mit? sich selbst?) das Hinhören zu wecken. Überall im Körper Resonanzen zu erzeugen, zu entdecken. Durch die Bewegung der Buchstaben. Durch die Bewegtheit der Zeilen. Der Mensch als Sprachinstrument.

Poesie als Rede aller Richtungen, Bewegtheit. Prosa, die „geradeaus gerichtete Rede“ ist keine befriedigende Form mehr in Zeiten des Internets. Darum überall Mischformen, schmelzende Genregrenzen. Der Poesie sind keine Grenzen gesetzt. Sie kann alles neu denken, sagen. Das Langgedicht als Form, bringt das Epische mit, das Narrative, das es braucht, um (auch ohne Story), ein Thema ausführlich zu behandeln, sich etwas zu widmen.

Na, wer jetzt keine Lust auf Spielplatz hat…!

SPIELPLATZ

A6, ca. 120 Seiten

ISBN: 978-3-948574-14-7

Erscheinungstermin: Frühjahr 2027

Offbeat-Publishing